Land Niedersachsen stärkt Prüfkapazitäten für Wärmepumpen am ISFH

Pressemitteilung vom 02.06.2026
Land Niedersachsen stärkt Prüfkapazitäten für Wärmepumpen am ISFH
- Geplante neue Prüfumgebung wird Genauigkeit, Geschwindigkeit und Energieeffizienz von Wärmepumpentests erhöhen
- Beitrag zur Wärmewende und zur Weiterentwicklung klimarelevanter Technologien in Niedersachsen
Emmerthal, 02. Juni 2026 – Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) sowie das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) fördern das Forschungsprojekt „CHAWAEL“ am Institut für Solarenergieforschung Hameln/Emmerthal (ISFH) mit rund 1,5 Millionen Euro. Das Vorhaben steht für den Aufbau einer hochdynamischen und energieeffizienten Versuchsumgebung zur Charakterisierung von Wärmepumpensystemen mit dem Wärmeträger Luft.
CHAWAEL („Hochdynamische und energieeffiziente Versuchsumgebung für die Charakterisierung von Wärmepumpensystemen mit dem Wärmeträger Luft“) schafft eine neue Infrastruktur für die Prüfung von Luft-Wärmepumpen unter realitätsnahen Bedingungen. Das Ziel ist es mit dieser neuen Versuchsumgebung eine höhere Genauigkeit der Messdaten bei gleichzeitig reduziertem Energie- und Zeitaufwand zu erreichen. Angewandte Forschungsarbeiten zu Themen der Energieeffizienz an Serien- und Prototypen-Entwicklungen können damit umfassender und zielgerichteter durchgeführt werden. Damit wird eine verbesserte Vergleichbarkeit verschiedener Wärmepumpen und Wärmepumpensystemen ermöglicht und eine weitere Effizienzsteigerung der Modelle angestrebt.
Umwelt- und Energieminister Christian Meyer sagt: „Niedersachsen ist Wärmepumpenland Nr. 1. Der Einsatz von Wärmepumpen verringert die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und sichert stabile Wärmepreise durch Erneuerbare Energien. 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen eingebaut als fossile Öl- und Gasheizungen. Bei den vom Bund geförderten Wärmepumpen ist Niedersachsen mit über 35.700 Förderzusagen in 2025 und 600 Millionen Euro Investitionen bundesweit Spitzenreiter bei der Förderung pro Einwohner*in. Wärmepumpen sind das Rückgrat der Wärmewende, tragen wesentlich zum Erreichen der Klimaziele bei und schaffen Tausende Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk. Das Land fördert und unterstützt daher die Wärmewende intensiv.
Zugleich kann und muss auch eine gute Technik immer weiterentwickelt werden, damit die nächste Generation der Wärmepumpen noch besser und energieeffizienter ist. Dazu gehört, dass die Geräte umfassend untersucht und geprüft werden können. Damit das ISFH mit seiner Expertise hier noch besser aufgestellt ist, fördern wir das Projekt CHAWAEL gerne mit Mitteln des Energieministeriums aus dem ökologischen Bereich des Wirtschaftsförderfonds.“
„Als Land verfolgen wir das Ziel, den Menschen eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten. Mit dem Projekt CHAWAEL stärken wir gezielt die anwendungsnahe Energieforschung in Niedersachsen. Die neue Versuchsinfrastruktur am ISFH eröffnet völlig neue experimentelle Möglichkeiten, Wärmepumpen unter realitätsnahen Bedingungen präziser und effizienter zu erforschen und weiterzuentwickeln. Damit beschleunigen wir den Transfer von der Wissenschaft in die praktische Anwendung und schaffen eine wichtige Grundlage für die nächste Generation klimafreundlicher Heizsysteme“, sagt Falko Mohrs, Minister für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen.
„Dieses Projekt ermöglicht es uns mit der zu entwickelnden Infrastruktur das Verhalten und die Effizienz von Wärmepumpen unter realen Bedingungen detaillierter zu bestimmen. Ein großer Dank gilt dem Land Niedersachsen für die Förderung dieses Projekts. Effiziente Wärmepumpen sind ein wichtiger Baustein der Wärmewende: Sie entlasten den privaten Geldbeutel und benötigen geringere Investitionen in das Stromnetz“, sagt Maximilian Loth, Projekt- und Gruppenleiter im Bereich Wärmepumpen am ISFH.
Wärmepumpen spielen eine zentrale Rolle für die klimaneutrale Wärmeversorgung. Der Wärmesektor verursacht rund 40 Prozent der CO₂-Emissionen in Deutschland und steht für etwa 56 Prozent des Endenergieverbrauchs. In den vergangenen Jahren nahmen Luft-Wärmepumpen einen Marktanteil von über 90 Prozent ein. Die bestehenden Prüfverfahren bilden jedoch reale Betriebsbedingungen nur eingeschränkt ab. Das Projekt CHAWAEL setzt hier an und verfolgt als Ziel, die Prüfmethodik durch dynamische Testbedingungen und eine präzisere Regelung der Umgebungsparameter zu verbessern. Die Versuchsumgebung wird Prüfling und Teststand direkt koppeln und Temperatur sowie Luftfeuchte in kurzen Zeitintervallen regeln. Statt großvolumiger Klimakammern wird der Luftstrom gezielt konditioniert werden. Eine modellprädiktive Regelung wird dann die Prüfbedingungen kontinuierlich an den Betrieb der Wärmepumpe anpassen. Dadurch lassen sich Leistungsdaten schneller erfassen und gezielt auswerten.
Damit reicht der Nutzen von CHAWAEL weit über die Prüftechnik hinaus. Die erwarteten Forschungsergebnisse sind von signifikanter Relevanz für die Transformation des Energiesystems zu einem „Smart Grid“, welches mehrere Ansprüche an die Wärmepumpensysteme stellt. „Smart Grids“, intelligente Stromnetze, sollen als flexible, effiziente und dezentrale Energiemanagementsysteme agieren, die Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit steuern. Dies bietet die Chancen zur besseren Verknüpfung von Konsumierenden und Produzierenden und kann einen wertvollen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Die Ergebnisse aus CHAWAEL sollen dabei unterstützen, das Zusammenspiel von Wärmepumpe und System zu verbessern und das Regelungssystem zu optimieren.
Mit dem Projekt werden die Prüfkapazitäten am ISFH gestärkt und gleichzeitig wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Prüfnormen gesetzt. Bis zum Ende der dreijährigen Förderperiode soll eine intelligente und ressourcenschonende Prüfumgebung für Haushaltswärmepumpen vorliegen, die eine präzisere Bestimmung des Effizienzkennfelds ermöglicht.
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